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  • AutorenbildGrete Strunz

Die chronischen Schmerzen im Weihnachtsstress bewältigen


Die Weihnachtszeit verspricht Freude am Zusammensein, besinnliche Stunden mit der Familie, das Wunder des Gebens.


Leider läuft es in vielen Familien oft nicht nur fröhlich und harmonisch ab. Der Druck der Weihnachten kann jemandem mit einem sensiblen Nervensystem und chronischen Schmerzen eine ziemliche Herausforderung sein. Angefangen mit dem Geschenkekaufen in überfüllten Läden, die lange Fahrt zur Familie, das endlose Kochen und Putzen, vielleicht noch der Weihnachtstrubel der Kinder in der Kita oder in der Schule, Weihnachtspartys, Arbeitsstress zum Jahresende. Und dann sitzen sie endlich alle am Weihnachtstisch. Nur statt harmonisch läuft es eher aufreibend ab. Der eine macht einen unpassenden Witz, die andere beschwert sich über dein Verhalten, die Kinder seien nicht richtig erzogen, du hättest dich verändert, Spielchen, Stimmungsschwankungen, versteckte Vorwürfe und kleine Nörgeleien. Und Schwupps!, deine Symptome schießen wieder durch die Decke.


"Warum ausgerechnet jetzt?" fragst du dich. Die Antwort ist klar: Stress setzt dein Nervensystem in Alarmbereitschaft, alte Muster der Verhältnisse triggern dabei die Stressreaktion deines Nervensystem und dein Gehirn schaltet die Schutzmechanismen ein. Dein Gehirn will in dem Moment nur eins - dich aus der stressigen Situation entfernen. Womit kann es dich am schnellsten schützen? Mit Schmerzen! Du bekommst Schmerzen und musst zurück ins Bett, weit weg von den Triggern der Familie.


Vergiss deshalb in dem ganzen Trubel nicht, dass du:


  • dich von dem Weihnachtstrubel zurückziehen darfst;


  • dich von Situationen, die dich triggern, distanzieren darfst;


  • die Zeit, die du mit Menschen verbringst, die deine alten Verhaltensweisen und Denkmuster triggern, einschränken darfst, auch wenn sie Familienmitglieder sind;


  • dir Freude gönnen darfst, lachen und auf dich stolz sein darfst für die kleinen und großen Fortschritte, die du dieses Jahr gemacht hast;


  • keine Neujahrsvorsätze haben musst!


Hier noch paar Tipps wie du dir und deinem Nervensystem durch die Feiertage helfen kannst:


- Setze klar Grenzen


Alte Muster, vor allem der Familiendynamik, werden in vielen Familien besonders in der Weihnachtszeit stark abspielen. Vielleicht hat es sich seit Jahren oder auch Jahrzehnten bewährt, dass Familienmitglieder bestimmte Rollen freiwillig und unfreiwillig übernommen haben und wenn die Familie wieder zusammen ist, werden diese voll bedient. Nörgeleien, versteckte oder auch direkte Vorwürfe, Kritik, Erwartungs- und Leistungsdruck, Wettbewerb und Vergleich zwischen Geschwistern, usw.


Diese Dynamik hat wahrscheinlich eine Rolle gespielt, dass du heute chronische Symptome hast. Du wurdest in der Vergangenheit ständig um deine Grenzen ignoriert bzw. hast sie selbst nicht klar gesetzt. Dieses Jahr könntest du es anders machen, um deine (mentale) Gesundheit und deine Fortschritte zu schützen. Setze klar Grenzen - wer darf mit dir wie sprechen, welche Witze bzw. Verhalten für dich nicht akzeptabel sind, wie viel Zeit du mit wem verbringst, usw.


- Kommuniziere deine Bedürfnisse


Kommunikation kann beängstigend sein, vor allem wenn es um eigene Wünsche und Bedürfnisse geht und man es vielleicht als Kind unfreiwillig gelernt hat, dass diese nicht wichtig waren oder nicht ernst genommen wurden. Als People-pleaser möchtest du es allen recht machen. Als jemand, der sich viele Sorgen macht, kümmert es dich was andere dabei fühlen bzw. von dir halten werden. Da kann es für jemanden, die für Harmonie sorgen will, eine Herausforderung sein, die eigenen Bedürfnisse auszusprechen. Andere können aber deine Gedanken nicht lesen oder deine Gefühle und Bedürfnisse nicht raten. Deshalb musst du sie klar kommunizieren. Du möchtest z.B. während den Festtagen auch alleine etwas unternehmen und nicht 24h mit der Familie verbringen? Dann sag das und mach das. Wenn jemand damit ein Problem hat, ist es nicht wirklich dein Problem, weil (und jetzt kommen wir zu dem nächsten wichtigen Punkt)...


- Du kannst es nicht allen recht machen


Dir ist dieses Jahr nicht danach, nach Hause zu fahren, weil du lieber mit deinem Freund die Festtage verbringst? Aber die Familie erwartet es von dir, du bekommst zu hören, wie enttäuscht sie sind, wie egoistisch du bist, wie wenig du deine Familie liebst, usw. Du kannst die Gedanken und Gefühle der anderen Personen nicht beeinflussen. Das müssen sie mit sich selbst ausmachen. Lass dich nicht von den inneren Wunden und Konflikten der anderen provozieren. Deine Aufgabe ist es, liebevoll aber bestimmt, auf deine (mentale) Gesundheit achtend Grenzen zu setzen und deine authentischen Bedürfnisse zu kommunizieren. Du kannst es nicht allen recht machen, auch nicht in der Weihnachtszeit.


- Ziehe dich zurück bzw. entferne dich aus der triggernden Situation, wenn möglich


Ja, es ist nicht immer möglich oder einfach, sich aus einer triggernden Situation zu entfernen, besonders wenn's um Familie geht. Aber das heißt auch nicht, dass du die Triggers um jeden Preis aushalten solltest, auf Kosten deiner (mentalen) Gesundheit. Vor allem, wenn du gerade dabei bist, deine Traumata zu verarbeiten, ist die Distanz zur den triggernden Personen unerlässlich. In anderen Fällen, versuche eine Rolle des Beobachters einzunehmen, beobachte ohne Vorurteil oder Kritik wie die Dynamiken und Muster am Weihnachtstisch abspielen; sei bewusst dem, was dich eventuell in der Vergangenheit beeinflusst hat und wie du damals als kleines Kind da reingepasstest. Diese Distanz - physische oder mentale - ist befreiend und macht dir die nötige Flexibilität möglich, mit deinen Gedanken und Gefühlen klar zu kommen.


- Nur weil Weihnachten ist, unterbrich nicht deine Selbstliebe-Routinen


Die herrliche Weihnachtszeit ist für viele gleichzeitig auch eine nicht so herrlich busy Zeit. Die lang ersehnten Weihnachtsaufgaben werden dann oft doch zu Verpflichtungen, die man so irgendwie dazwischen schiebt, weil man einfach viel zu wenig Zeit für alles hat. Da wird oft wegen Zeitmanagement als Erstes die eigene Selbsthilfe-Routine gecut. Jetzt ist sie für dich und deinen Körper aber wichtiger als je. Deshalb, unterbrich nicht deine Selbsthilfe-Routinen, die dich bis jetzt gut unterstützt haben. Deine (mentale) Gesucdheit soll auch zu Weihnachten deine erste Piorität bleiben!


- Nimm dir Zeit für deine Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen


Falls dir die Festtage zu viel werden, die Triggers überall lauern und dein Fass langsam zu rüberlaufen droht, tritt einen Schritt zurück und nimm bewusst wahr, was da gerade abspielt, wo du in deinen Gedanken bist und wie es dir dabei geht. Deine Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen holen dich wieder in deine Mitte. Aktiviere deinen Vagusnerv z.B. mit dem Summen der Weihnachtslieder. Oder richte deine Aufmerksamkeit auf deine fünf Sinne: schaue dir genauer das Kerzenlicht an, rieche die Düfte in der Luft, taste die Zweige des Weihnachtsbaums, höre dir dein Lieblingsweihnachtslied an, lass die Weihnachtsschokolade auf deiner Zunge zergehen. Die fünf Minuten Atemübungen zwischendurch kriegst du auch auf jeden Fall hin. Diese kleinen Achtsamkeiten oder auch "Glimmers" genannt werden dein Nervensystem wieder aus dem Stress helfen und dich entspannen.


- Co-Regulation mit anderen


So wie dein Nervensystem beim Zusammenprall triggernder Menschen und Situationen in eine Stressreaktion gerät, wird es sich in der Nähe von Menschen, die dir gut tun und eine beruhigende Sicherheit ausstrahlen, entspannen können. Eine Co-Regulation ist eine wunderbare Weise deinen Stresslautstärkeregler wieder etwas herunterzudrehen. Körperlicher Kontakt wie das Umarmen, das Kuscheln wirken wunderbar. Lachen, Singen zusammen mit einer anderen Person ebenfalls. Auch streicheln von Haustieren ruft diese Entspannungsreaktion des Nervensystems augenblicklich hervor.


- Bleib auf deinem Weg und bei dir.


Nicht jedem wird das neue Du gefallen bzw. nicht jeder wird den Mind-Body-Ansatz deiner Heilung verstehen (wollen). Die Glaubenssätze der anderen werden sich durchsetzen wollen, du stoßt auf Unverständnis oder sogar Spott. Musst du dich jetzt für den nächsten Kampf aufrüsten, um dein Wissen und Fortschritt zu rechtfertigen? Vielleicht versuchen sich dabei auch paar Zweifel einzuschleichen: "Was wenn sie Recht haben?"


Bleib auf deinem Weg und bei dir. Sammele weiterhin Beweise für deinen eigenen Fortschritt, zelebriere die Momente, in denen du dich nicht von den Wunden der anderen provozieren lässt, sei stolz auf dein Wissen und auf deine Mind-Body-Connection. Du musst nicht jeden am Tisch überzeugen, dass dein Weg der Richtige ist. Jeder findet den eigenen Weg zum richtigen Zeitpunkt, wenn sie dafür offen und bereit sind. Überzeugen wirst du sie kaum. Vielleicht wird jemand neugierig sein, vielleicht freut sich jemand genau über diese Informationen, vielleicht aber auch nicht, und es ist ok.


Du bist einzigartig. Dein Weg ist einzigartig. Kein Weg ist identisch. Du hast dieses Jahr viel geschafft, bist den ersten wichtigen Schritt gegangen. Du bist mutig und widerstandsfähig. Auch Weihnachten ändern nichts daran. Glaube weiter an deinen Weg und an dich!


Ich wünsche dir frohe stressfreie Weihnachten!


Deine Grete


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